Eine Sache, die ich an Dir hasse. Und Frauen.

Tja, monatelang liegt der Blog brach. Genau in dem Moment, als ich entschied, das arme Tier einzuschläfern, passiert das. Auf beiden (ehemals) großen deutschen Magic-Seiten erscheint ein Artikel, den ich gerne kommentieren will. Nico Bohny redet über fünf Dinge, die er hasst, und Iris Schwarz redet über Brüste. Da beide Artikel so gut zusammenpassen, nutze ich nicht die dafür vorgesehenen Kanäle auf den jeweiligen Webseiten. Stattdessen packe ich den Blog-Defibrillator aus.

Denn ich denke, dass sowohl die niedrige Frauenquote wie auch Nicos Unwohlsein mit dem Grund zusammenhängen, der mich immer weiter von diesem Spiel entfremdet hat. Mein Beef mit Magic lässt sich in einem kompakten Satz zusammenfassen:

Ziel des Spiels ist es, Deinen Gegner von 20 auf 0 Lebenspunkte zu bringen.

(Oder zu millen, mit 10 Poisoncountern zu vergiften, etc… schon klar.) OK, wenn man das nicht mag, dann bleibt wirklich nicht viel von Magic über… Aber lasst Euch den Satz mal auf der Zunge zergehen: Um zu gewinnen, muss jemand anderes verlieren. Um erfolgreich zu sein, müsst Ihr wen anderes besiegen. Das trifft leider auch für den Rest des Lebens zu, geschenkt. Aber trotzdem, die Ausgangslage „Zwei kommen an einen Tisch, einer geht als Sieger, der andere als Verlierer“ ist nicht unbedingt dazu geeignet, für gute Stimmung zu sorgen. Wenn man bei Magic erfolgreich ist, dann bedeutet das, dass man auf dem Weg dorthin einige Menschen frustrieren musste. Wenn man bei Magic verloren hat, dann hat man nicht nur nicht gewonnen, man wurde besiegt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das mit der Hauptgrund dafür sein könnte, dass Nico sich manchmal nicht wie er selbst fühlt. Die folgende Sätze sind im Angesicht der modernen Genderforschung zwar nicht haltbar, aber trotzdem: Ich glaube, viele Frauen werden von einem Spiel mit dieser Grundidee eher abgestoßen. Schlimmer noch: Spiele mit dieser Grundidee ziehen eine ganz bestimmte Gruppe Jungs an.

Mir hat das Ganze nach und nach den Spaß sowohl an Casual- wie auch an Turniermagic genommen. Fangen wir mit dem leichteren der zwei Themen an:

Casual-Magic. Hier wird ja oft EDH als Beispiel genannt, dass Magic auch „total nichtkompetitiv“ sein kann. EDH (das ist stellvertretend für Multiplayer nehme) kommt mir immer so vor: Eine Gruppe Freunde trifft sich auf einem Fußballplatz, um „Hochhalten“ zu spielen. Nach 10-20mal kicken nimmt einer den Ball mit der Brust an, drischt ihn ins Tor und schreit „Gewonnen!“ Dann fängt eine Diskussion an, ob man den Ball nicht noch ein paar Mal öfter hätte hochhalten können. Auf die Frage, wieso man eigentlich auf einem Fussballplatz stünde und nicht im Park kommt keine echte Antwort… Magic ist halt so: Man braucht das Tor, bzw. Sieger und Verlierer am Schluss. Das hat das Spiel so vorgesehen. Alle Karten und alle Regeln sind dafür gebaut, dieses Ziel zu erreichen. Um mit anderen in einer Gruppe Spaß zu haben, ohne am Ende einen Gewinner küren zu „müssen“, gibt es andere Spiele. Schlimmstenfalls nimmt man Das Schwarze Auge. (Wenn man es allerdings ganz besonders funky und verrückt mag, empfehle ich Sea Dracula.)

OK, also statt Multiplayermagic spiele ich Rollenspiele. Aber was ist mit Duellen? Dafür brauche ich kein so teures Hobby wie Magic („teuer“ im Sinne von „Geld- und zeitaufwändig“). Eine Runde PES hat in etwa den selben Effekt: Es ist casual, aber trotzdem kompetitiv. Grundsätzlich waren aber auch fast alle Casual-Magic-Duelle, die ich gespielt habe, eine mehr oder weniger ernste Form der Turniervorbereitung. Und das bringt mich zum zweiten Teil:

Turniermagic. Ich nehme jetzt Turniermagic als Sysnonym für „Magic als Leistungssport“. Casual-Turniere a la FNM sind schnell abgehandelt: Die Leute treffen sich, um Spaß zu haben. Ist dazu ein Setting „Einer muss den anderen schlagen“ gut geeignet? Ich finde nicht, aber ich habe mir auch aus Badminton oder Tennis (die in diesem Bezug ähnlich sind) nie viel gemacht. Zu Sport steht unten mehr. Zu den leistungsbetonten Turnieren: Ich halte 1vs1-Duelle für kein gutes System, um Leistung und Erfolg zu „messen“. Um ein Beispiel zu geben: Hier ein Bericht von meinem letzten 64-Leute-Legacy-Turnier.

Erste Runde gewinne ich knapp ein Mirrormatch im dritten Spiel. Ich ziehe sehr spät einen Lightning Bolt, er nur ein Land. Wäre es andersrum gewesen, hätte er gewonnen. Zweite Runde spiele ich gegen den Sieger des Casual-Spieler-Duells aus Runde eins. In Runde drei und vier liefere ich tatsächlich ganz ordentliches Magic ab. Runde fünf verbauere ich das erste Spiel grandios. In Spiel zwei und drei waste ich jeweils sein erstes Land, um das nachgelegte Fetchland zu stiflen und dann den Delver zum Sieg zu reiten. Runde sechs: ID. Zweiter Platz.

Bin ich jetzt der zweitbeste Spieler im Raum? Oder wenigstens derjenige, der an dem Tag am zweitbesten gespielt hat? Natürlich nicht. Die anderen 6×32-6=186 Matches, die an diesem Tag gespielt wurden (ohne Drops) tragen zu meinem Ergebnis höchstens mittelbar bei. Es gibt außer Siegen und Niederlagen keine Art den Erfolg zu bestimmen. Das Problem hat Schach beispielsweise auch, aber die Schachspieler haben erstens noch das ELO-Rating, und zweitens einen viel geringeren Zufallsfaktor.

Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht kompetitiv unterwegs bin. Ich habe mir dazu nur andere Hobbys dafür gesucht. Beim Bogenschießen oder beim 10.000m-Lauf weiß ich, dass ich an diesem Tag der Beste war, wenn ich oben auf dem Treppchen stehe. Das wird mir beim Bogenschießen übrigens nicht passieren, und noch weniger beim Laufen. Aber ich nehme mir hier bei jedem Turnier, bei jedem Lauf vor, meine Bestleistung zu überbieten. Und ich habe immer eine untere Schwelle, also XXX Ringe oder YY Minuten, die ich nicht unterbieten will. Wenn mir das nicht gelingt bin ich zwar frustriert, aber die Schuld daran liegt nur an mir. Beim Magic habe ich das nicht: Ich kann mir zwar als Ziel setzen, nur noch X-1-1 zu gehen, aber da hat halt immer der Gegner noch ein Wort mitzureden… Es ist einfach frustrierender.

Vielleicht bin ich einfach nicht frustresistent genug für dieses Spiel. Ich hoffe, Ihr anderen „haltet durch“ und habt Spaß daran.

Passt auf Euch auf!

Gruß

e.

 

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